Jeden Morgen schickt mich mein Kalender mit einem kleinen Spruch in den Tag, der positiv stimmen soll. Naja – manchmal klappt es. Heute allerdings nicht.
„Jeder ist seines Glückes Schmied“
Klar, WENN ich Hammer, Amboss und Eisen habe, DANN kann ich mir ein (Glücks)Hufeisen schmieden.
Doch falls mir auch nur eines dieser Dinge fehlt, kann ich mir noch so den A* aufreißen – dann wird das nichts! Und wie viele „Glücksschmiedemeistern“ wurden durch Naturgewalt, Wirtschaftsdesaster, Herkunft, persönliches Umfeld und … und … und … per Blutgrätsche außer Gefecht gesetzt?
Aber wer – außer vielleicht einem Feel-Good-Comedian wie E. v. Hirschhausen – fragt, was dieses ominöse Ding GLÜCK überhaupt ist?
Für einen Kranken ist ohne Zweifel die Genesung das größte Glück.
Für alle anderen läuft es auf ein dickes Bankkonto hinaus, das vermeintlich ein Füllhorn vielerleier Annehmlichkeiten bereithält.
Geld als Garant für Glück.
Ich kann mir alles kaufen, was ich gerne hätte. Dann bin ich glücklich. Okay. Aber warum wird der frei gewordene Platz auf der Nice-to-have-Liste SOFORT durch einen neuen Wunsch ersetzt?
Willkommen auf dem Tripp durch die Endlosspirale!
Der, dem schon bei einer normalen Achterbahnfahrt auf der Kirmes schlecht wird, ist für die Möglichkeit auszusteigen, vielleicht recht dankbar.
Die gute Nachricht: Es gibt sie!
Die schlechte Nachricht: Sie ist ein Selfmade-Produkt und erfordert einige Mühe, Arbeit und Disziplin.
Ein guter Anfang ist zum Beispiel die Änderung seiner Perspektive.
Okay – einfach ist das nicht. Schließlich ist die bisherige Indoktrination nichts, das sich nicht per Kippschalter einfach ausknipsen lässt.
Aber unmöglich ist es eben auch nicht!
Was verändert sich, wenn ich danach schaue, was mein Leben wirklich ausmacht und bereichert – jenseits all der Dinge, die mir von außen als DAS fehlende Detail zum Glück eingeredet wird?
Vielleicht ist man überrascht, welche Dinge und Sachverhalte aus dem Nebel der Selbstverständlichkeit heraustreten und sich zum ersten Mal wahrnehmen und wertschätzen lassen.
Zum Beispiel, dass ich gesund bin – darf ich durchaus als großes Glück ansehen.
Doch selbst wenn ich es hierzulande nicht bin – dann habe ich auch dann noch großes Glück! –
Weil ich hier einfach so zum Arzt gehen kann!
Ohne eine Zweitagesreise anzutreten.
Ohne Haus und Hof verkaufen zu müssen, weil Behandlung und Medikamente so teuer sind. Ohne Gefahr zu laufen, dass die Arznei gar nicht zur Verfügung steht.
Ich habe stets einen vollen Teller, frisches Trinkwasser, ein Dach über dem Kopf, Kleidung am Leib …
Was empfindet jemand, dem all das bislang vorenthalten blieb und der plötzlich mit all dem, was mir selbstverständlich ist, beschenkt wird?
Ich denke, für ihn ist das ein Stück des Himmels auf Erden!
Er erlebt, was es heißt, Glück zu haben!
Er wird es in Dankbarkeit genießen!
Glück bedeutet sicher für jeden etwas anderes.
Für den einen ist es Gesundheit, für den anderen eine liebevolle Beziehung, für den nächsten persönlicher Erfolg … oder was auch immer.
Doch allen gemein ist, dass Glück auf Wahrnehmung und Dankbarkeit gut gedeiht.
Mache ich mir abends in einer kleinen Rückschau bewusst,
wieviel Gutes mir begegnet ist …
was mir gut gelungen ist – bei der Arbeit, daheim, bei/mit Partner, Kindern …
über welche Begegnung/Nachricht ich mich gefreut habe … u.s.w.
dann schaffe ich mir damit manche kleine Glücksmomente. Und jeder davon tut mir gut.
Aufmerksamkeit, Wahrnehmung und Dankbarkeit – vielleicht braucht es nur dieser drei Dinge, um dem eigenen Glück eine Chance zu geben, ab und zu aufzutauchen.